Kein anderes biblisches Buch kommt so oft in die Kirche und auf die Kanzel wie das Lukasevangelium – zumindest den Perikopenreihen nach. Dabei ist dieses frühchristliche Buch zunächst gar nicht in Gebäuden zuhause: Die Geschichte, in die der Evangelist Lukas seine Leser:innen verwickelt, spielt auf Straßen und unter freiem Himmel. Häuser, Dörfer und Städte dienen lediglich der befristeten Einkehr, maßgeblich ist der Weg als Gliederungselement und Metapher zugleich.
Wir nähern uns dem Evangelisten Lukas als „Wanderer zwischen den Welten“, der als Judenchrist aus der Diaspora auf vielen Wegen zwischen Judentum und hellenistisch-römischer Welt unterwegs ist. Unterwegs ist auch die Kirche bzw. Gemeinde, die er beschreibt: Immer wieder hat sie Grenzen zu überschreiten. Gerade darum behält sie ihre Herkunft und ihren Zielpunkt stets im Blick.
Anhand ausgewählter Textbeispiele machen wir uns auf den Weg zu einer neuen Perspektive auf Lukas und betreiben Bibelarbeit im besten Sinne des Wortes. Sichtachsen zu gegenwärtigen Fragen, Kirchen und Kanzeln sind dabei ebenso wenig ausgeschlossen wie spannende Aussichten aller Art.
Leseempfehlung:
Christfried Böttrich, Das Evangelium nach Lukas, ThHK 3, Leipzig (EVA) 2024.
Themenheft: Lukasevangelium, ZNT (Zeitschrift für Neues Testament) 28, Heft 56, 2026